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Marcel Keller (links) hat das LWL Museum für Archäologie Herne bei der Konzeption der Sonderausstellung Pest beraten. Rechts im Bild: Ausstellungskurator Dr. Stefan Leenen. In der Bildmitte: Volontärin Sandra Maus und Ruth Pingel, Vorsitzende des Fördervereins. Bild vergrößern
Marcel Keller (links) hat das LWL Museum für Archäologie Herne bei der Konzeption der Sonderausstellung Pest beraten. Rechts im Bild: Ausstellungskurator Dr. Stefan Leenen. In der Bildmitte: Volontärin Sandra Maus und Ruth Pingel, Vorsitzende des Fördervereins.

Sonderausstellung "Pest!" im LWL-Museum für Archäologie Herne

Die Abteilung für Archäogenetik hat das Westfälische Landesmuseum für Archäologie in Herne bei der Konzeption und Umsetzung einer neuen großen Sonderausstellung zur Geschichte der Pest und ihren weltweiten Auswirkungen unterstützt.

Die Pest ist eine Seuche, die schon seit Jahrtausenden die Menschheit begleitet und Millionen von Toten gefordert hat. Mit dem "Schwarzen Tod" im Spätmittelalter hat sie sich tief im kulturellen Gedächtnis der Menschheit verankert. Noch bis zum 10. Mai 2020 ist im Museum für Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Herne die Sonderausstellung "Pest!" zu dieser Krankheit zu sehen, welche unsere Geschichte wie kaum eine andere geprägt hat.

In der Ausstellung folgen die Besucherinnen und Besucher der Seuche quer durch alle Epochen der Menschheitsgeschichte. Die ältesten Exponate sind jungsteinzeitliche Steinwerkzeuge aus einem Grab bei Augsburg, dessen Tote nachweislich mit der Pest infiziert waren. Über babylonische Tontafeln der Bronzezeit führt die Reise in die erste große Pandemie im frühen Mittelalter, die sogenannte Justinianische Pest, als die Seuche vom Mittelmeerraum bis zu den Britischen Inseln wütete. Hierzu sind die Skelette und Grabbeigaben einer Doppelbestattung aus Altenerding bei München ausgestellt, an denen Wissenschaftlern unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, ebenso wie an dem Grab aus Augsburg, der Nachweis des Pesterregers gelang.

Aus den Zähnen von Pestopfern kann die DNA des Pesterregers Yersina pestis rekonstruiert werden, um die Evolutions- und Verbreitungsgeschichte des Bakteriums zu erforschen. Bild vergrößern
Aus den Zähnen von Pestopfern kann die DNA des Pesterregers Yersina pestis rekonstruiert werden, um die Evolutions- und Verbreitungsgeschichte des Bakteriums zu erforschen.

Marcel Keller von der Abteilung für Archäogenetik des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte hat das Museum bei der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung über zwei Jahre fachlich beraten und ist Autor eines Essays für den fast 700 Seiten starken Katalog. Zudem vermitteln Leihgaben aus den Laboren der Abteilung für Archäogenetik, vom Beprobungswerkzeug bis zur Kartusche eines Sequenziergeräts, einen Eindruck davon, wie in der Archäogenetik aus den Zähnen von Pestopfern das Erbgut des Pestbakteriums Yersina pestis rekonstruiert werden kann, um die Evolutions- und Verbreitungsgeschichte des Bakteriums zu erforschen.

Auch das größte Exponat der Ausstellung, der Anker der Grand Saint Antoine, die 1720 die Pest nach Marseille brachte, steht im Kontext der archäogenetischen Forschung: 2016 konnte ein Team aus Skelettresten der Opfer dieser Pestwelle die DNA des Erregers isolieren und daran die Kontinuität der Pest in Europa vom Schwarzen Tod bis ins 18. Jahrhundert, die sich in den zahlreichen Objekten und Zeitzeugnissen der Ausstellung widerspiegelt, auch genetisch belegen.

 
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