Ursprünge der Evolutionsforschung in Jena

Interdisziplinäre Evolutionsforschung hat in Jena eine lange Tradition: Hier entstanden vor rund 150 Jahren die berühmten Sprachstammbäume August Schleichers sowie die wahrscheinlich noch bekannteren Stammbäume der Arten Ernst Haeckels.

 

Matthias Jacob Schleiden, Direktor des Botanischen Gartens in Jena, akzeptierte als einer der ersten Botaniker die Evolutionstheorie und setzte sie für die Anthropologie um; er sah in der kulturellen Entwicklung des Menschen die Fortschreibung seiner biologischen Evolution. [mehr]

Profil

Das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte (MPI-SHH) in Jena wurde 2014 im Bestreben gegründet, grundlegende Fragen der menschlichen Evolution und Geschichte seit der Steinzeit zu erforschen. Mit seinen drei interdisziplinären Abteilungen – der Abteilung für Archäogenetik (Direktor Johannes Krause), der Abteilung für Archäologie (Direktorin Nicole Boivin) sowie der Abteilung für Sprach- und Kulturevolution (Direktor Russell Gray) – verfolgt das Institut eine dezidiert integrierende Wissenschaft der Menschheitsgeschichte, die den traditionellen Graben zwischen Natur- und Geisteswissenschaften überwindet.

Das MPI-SHH vereint internationale Expertinnen und Experten der Paläogenetik, Proteomforschung, Bioinformatik, Anthropologie, Archäologie, Geschichte und der quantitativen Linguistik, die gemeinsam ein bisher nie dagewesenes Spektrum an Methoden, Zugriffen und Datensätzen zur Erforschung der großen Themen der Menschheitsgeschichte erschließen und miteinander kombinieren. Unter Anwendung modernster analytischer Verfahren und Technologien werden insbesondere folgende Themen beforscht:

  • die Besiedlungsgeschichte der Welt, Migrationen und genetische Mischungen
  • die Ausbreitung und Entwicklung von Infektionskrankheiten und mit dem Menschen assoziierten Mikroorganismen
  • die Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen auf die menschliche Existenz in unterschiedlichen Regionen der Welt
  • das Einwirken des Menschen auf den Lebensraum
  • das Entstehen früher Formen globaler Handelsbeziehungen
  • die Verbreitung und Ausdifferenzierung von Sprachen, Kulturen und gesellschaftlichen Praktiken
  • die Ko-Evolution von Genen und Kultur



 
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