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Robbeets, M.; Bouckaert, R.: Bayesian phylolinguistics reveals the internal structure of the Transeurasian family. Journal of Language Evolution 3 (2), S. 145 - 162 (2018)

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Dr. habil. Martine Robbeets
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Struktur der transeurasischen Sprachfamilie durch computerlinguistische Methoden aufgedeckt

Das Forschungsteam wandte erstmals Methoden der Bayes'schen Phylolinguistik von der Evolutionsbiologie bis zur transeurasischen Sprachfamilie an, um die seit langem geführte Debatte über ihre innere Struktur anzugehen.

Eine neue Studie von Forschern und Forsacherinnen des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte kombiniert klassische historisch-vergleichende Linguistik und computergestützte Bayes'sche phylogenetische Methoden, um die innere Struktur der transeurasischen Sprachfamilie aufzuzeigen. Die im Journal of Language Evolution veröffentlichte Studie ist die erste, die Bayes'sche Methoden auf diese lange diskutierte Sprachfamilie anwendet.

Ein DensiTree, der die posteriore Verteilung von Phylogenien darstellt. Der blaue Baum ist der maximum clade credibility tree, die grünen Bäume sind Einzelbäume aus der späteren Stichprobe. Die Zahlen im Baum zeigen die Unterstützung der Sprachfamilien durch die spätere Klade an. Bild vergrößern
Ein DensiTree, der die posteriore Verteilung von Phylogenien darstellt. Der blaue Baum ist der maximum clade credibility tree, die grünen Bäume sind Einzelbäume aus der späteren Stichprobe. Die Zahlen im Baum zeigen die Unterstützung der Sprachfamilien durch die spätere Klade an.

Der Begriff Transeurasisch bezieht sich auf eine Familie von Sprachen, die theoretisch aus einer einzigen Originalsprache in Asien entstanden sind und nun bis zu fünf Sprachfamilien umfassen: Türkisch, Mongolisch, Tungusisch, Koreanisch und Japanisch. Es wird seit langem darüber diskutiert, ob diese Sprachfamilien tatsächlich aus einem einzigen Vorfahren hervorgegangen sind, und selbst unter den Forschern, welche die transeurasische Hypothese unterstützen, gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, wo sich die Sprachfamilien spalten und welche am engsten verwandt sind. Das Forschunsteam verwendete zwei Ansätze, um die wahrscheinlichste interne Struktur für die transeurasischen Sprachen zu bestätigen - sie schufen prototranseurasische Rekonstruktionen unter Verwendung zeitgenössischer und historischer lexikalischer Daten und wandten dann Bayes'sche phylogenetische Methoden an, um die interne Struktur abzuleiten, die am besten zu den Daten passt.

Ein einsamer Baum in der Mongolei. Mongolische Sprachen werden als Teil der transeurasischen Sprachfamilie angesehen, die sich mit Türkisch und Tungusisch zu einem Cluster bildet. Bild vergrößern
Ein einsamer Baum in der Mongolei. Mongolische Sprachen werden als Teil der transeurasischen Sprachfamilie angesehen, die sich mit Türkisch und Tungusisch zu einem Cluster bildet.

Die Forscher fanden heraus, dass die beste Eignung für die interne Struktur zunächst das Clustering der japanischen und koreanischen Sprachen darstellte und weiter das Clustering von Monglisch und Türkisch, wobei die tungusische Zweig zuerst abführte. "Wir erhalten ein starkes historisches Signal mit 98,3% Unterstützung für Japanisch-Koreanisch, 90,3% für Tungusisch-Mongolisch-Türkisch und 100% für Mongolisch-Türkisch", sagt Remco Bouckaert von der Universität Auckland und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

"Zum ersten Mal in der Geschichte der Linguistik haben wir klassische historisch-vergleichende Linguistik und computergestützte Bayes'sche Phylolinguistik integriert, um eine Phylogenie der transeurasischen Sprachen abzuleiten", erklärt Martine Robbeets, Leiterin der vom ERC geförderten Forschungsgruppe Eurasia3angle am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. "Unsere Ergebnisse lösen eine langjährige Frage nach der genauen Form des transeurasischen Baumes auf, indem sie eine quantitative Grundlage für die Prüfung verschiedener konkurrierender Hypothesen liefern."

Die Verbreitung der transeurasischen Sprachen. Die Abkürzungen für die Sprachen finden Sie im Artikel. Bild vergrößern
Die Verbreitung der transeurasischen Sprachen. Die Abkürzungen für die Sprachen finden Sie im Artikel.
 
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