Ankunft des Menschen führte nicht zu Artensterben 

3. Mai 2021

Gemeinsame Untersuchungen der Griffith University und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte zeigen, dass die Ankunft des Menschen auf unbewohnten Inseln während des Pleistozäns nicht immer zu einem massiven Artensterben führte.  

Das Forschungsteam untersuchte archäologische und paläoontologische Befunde von sämtlichen von Menschen bewohnten Inseln während der letzten 2.6 Millionen Jahre. Ihre Untersuchungen ergaben, dass das Eintreffen der Hominiden meist nur zu einem geringen Rückgang der Biodiversität führte.

„Oft denken wir, dass sobald der Mensch in einem neuen Ökosystem eintrifft, er massiven Schaden anrichtet. Jedoch mussten wir feststellen, dass dies meist nur auf jüngere Inselbesiedlungen von Menschen zutrifft“, so Ass. Prof. Julien Louys vom Australian Research Centre for Human Evolution. 

Ankunft mit dem Boot auf der Insel Pantar, Nusa Tenggara, Indonesien.Riesenratten und andere Arten, die auf diesen Inseln vorkommen, starben nicht unmittelbar nach der Ankunft des Menschen aus, sondern überdauerten Zehntausende von Jahren an der Seite des Menschen, bevor sie ausstarben

Das Team aus Archäologen*innen und Paläoontologen*innen verglich Befunde von homininen Inselbesiedlungen mit Befunden von ausgestorbenen insularen Arten während der letzten 2.6 Millionen Jahre, wobei sie kaum Überlappungen zwischen den beiden Ereignissen feststellen konnten. 

„Basierend auf Fällen von Inselaussterben aus der jüngeren Vergangenheit, erwarteten wir, dass kurz auf die Kolonisierung einer Insel ein Massenaussterben folgen würde“, so Louys, „die untersuchten Daten zeigten jedoch nur sehr wenige Fälle, in denen dies zutraf.“

„Selbst dann, wenn es eine enge Verknüpfung zwischen der Ankunft der Hominini und einem Inselaussterben gab, konnten diese nicht von klar den Aufzeichnungen getrennt werden, welche durch Umweltveränderungen und Meerespegelschwankungen hervorgerufen wurden.“

Bei ihrer Arbeit stieß das Team auch auf mehrere Fälle, in denen Hominini die Inseln verlassen mussten und teilweise selbst ausstarben. 

„Die einzigartigen ökologischen Bedingungen, die auf Inseln herrschen, machten definitiv nicht vor dem Menschen halt“, so Prof. Sue O’Connor von der Australian National University. 

Ökosysteme von Inseln zählen zu den aktuell am meisten bedrohten weltweit, weshalb es unabdingbar ist, zu verstehen, welche Auswirkungen frühere Populationen auf diese Ökosysteme hatten und wie sich diese von den heutigen Auswirkungen unterscheiden. 

„Der Beginn signifikanter menschlicher Eingriffe in die Inselökosysteme scheint tatsächlich mit der Ausbreitung der Landwirtschaft, der Einführung neuer Arten und, vielleicht am bedeutendsten, mit dem Auftreten von kolonialen und kapitalistischen Systemen, wie des Raubbaus und der Plantagensysteme im Laufe der letzten 500 Jahre erfolgt zu sein," so Dr. Patrick Roberts, Forschungsgruppenleiter und Koautor vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. 

Die Forschenden hoffen, dass durch die Untersuchung der Auswirkungen, die unterschiedliche menschliche Populationen, Wirtschaftssysteme und Gesellschaften auf die Inselumgebungen hatten, Erkenntnisse darüber gewonnen werden können, wie man diese besser gestalten und vor Schäden schützen kann.

Zur Redakteursansicht