Pofatu: Neue Datenbank für geochemische „Fingerabdrücke“ von Artefakten

Pofatu ist die erste umfassende Open-Access-Sammlung geochemischer Analysen und Kontextinformationen für archäologische Quellen und Artefakte und ermöglicht neue Erkenntnisse über den Handel und Langstreckenreisen in der Vergangenheit.

11. Mai 2020

Die Menge, der über Steinwerkzeuge vorliegenden archäologischer Daten ist durch die Weiterentwicklung und zunehmende Nutzung geochemischer Techniken in den letzten 25 Jahren exponentiell gestiegen. Die Pofatu-Datenbank ist ein groß angelegtes Gemeinschaftsprojekt mit dem Ziel das Kuratieren und Teilen dieser Daten zu unterstützen. Die Datenbank enthält auch Angaben zu Instrumenten, Analyseverfahren und Referenzstandards, die für die Kalibrierung oder zur Qualitätskontrolle verwendet werden. Damit stellt Pofatu die Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit zwischen Provenienzstudien sicher.

Fundorte der 7759 Proben, die bereits in der Pofatu-Datenbank erfasst und veröffentlicht wurden.

Provenienzstudien tragen in der Archäologie dazu dabei, die Lebensgeschichte von Artefakten, in diesem Fall von Steinwerkzeugen, zu verstehen. Sie dokumentieren woher die Rohmaterialien stammen, wo und wie die Artefakte hergestellt wurden und wie diese unter Individuen und Gruppen verteilt waren. Zuverlässige Daten ermöglichen es der Forschung, ökonomische und soziale Verhaltensweisen von menschlichen Gemeinschaften über viele Jahrtausende zu rekonstruieren.

Um den Zugang zu dem wachsenden Korpus geochemischer Daten zu gewährleisten, konzipierten Aymeric Hermann und Robert Forkel von der Abteilung für Sprach- und Kulturevolution am Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Pofatu, die erste, Open-Access-Datenbank geochemischer Analysen und kontextuelle Informationen für archäologische Quellen und Artefakte.

Rekonstruktion der Beschaffung von Artefakten und Material

Geochemische ‚Fingerabdrücke‘ von Artefakten zu erstellen, ist die effizienteste Methode, um herauszufinden, wie und wo Menschen in der Vergangenheit an Steinwerkstoffe und Artefakte gelangten, diese bearbeiteten und austauschten. Diese Fingerabdrücke dienen dem Verständnis von verschiedenen Phänomenen vergangener menschlicher Gesellschaften, wie technische und ökonomische Verhaltensweisen, sowie soziopolitische Ordnungen.

Die Pofatu-Datenbank bietet Forschenden Zugang zu einem sich ständig erweiternden Datenbestand und erleichtert die Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit von Provenienzstudien. Jede Probe wird hinsichtlich ihrer elementaren und isotopischen Zusammensetzung umfassend dokumentiert. Jeder Datensatz enthält darüber hinaus auch detaillierte archäologische Daten zur Herkunft der Probe sowie analytische Metadaten, z.B. über den Prozess der Probenahme, Analyseverfahren und Qualitätskontrolle.

"Durch die Bereitstellung analytischer Daten und umfassender archäologischer Details in einer für die wissenschaftliche Gemeinschaft leicht zugänglichen Form", erklärt Hermann, "wird die Pofatu-Datenbank die eindeutige Zuordnung der Herkunft von Artefakten in zukünftigen Studien erleichtern und zu einer robusteren, großräumigeren Modellierung von Langstreckenreisen und traditionellen Austauschsystemen führen".

Archäologen untersuchen einen riesigen Haufen von Steinflocken, die bei der Herstellung von Adze im hochgelegenen Steinbruch am Mauna Kea, Hawai'i, anfallen.

Marshall Weisler, Kooperationspartner am Pofatu-Projekt von der Universität Queensland in Australien, ergänzt: "Indem wir den Transport von Artefakten verfolgen, die über die Weite des Pazifischen Ozeans transportiert wurden, können wir die Reisen in der Vergangenheit rekonstruieren, die die größte maritime Migration in der Geschichte der Menschheit ermöglichten.

Pofatu - ein operativer Rahmen für den Datenaustausch in der Archäometrie

Die Struktur von Pofatu wurde von Forkel und Hermann entworfen. Hermann sammelte und beschrieb die Daten mit Beiträgen und Validierungen von Kollegen und Kolleginnen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen in Neuseeland, Australien und den USA. Die Datenbank verwendet GitHub für die Open-Source-Speicherung und Versionskontrolle sowie gemeinsame nicht-proprietäre Dateiformate (CSV), um Transparenz und Reproduzierbarkeit für zukünftige Studien zum prähistorischen Austausch zu unterstützen. Die Datenbank enthält derzeit 7759 Einzelproben von archäologischen Stätten und geologischen Quellen auf den Pazifikinseln. Aber Pofatu möchte noch mehr erreichen.

Logo der Pofatu-Datenbank

Hermann stellt fest: "Mit Pofatu haben wir einen operativen Rahmen für den Datenaustausch in der Archäometrie geschaffen. Die Datenbank konzentriert sich derzeit auf Stätten und Sammlungen von den Pazifischen Inseln, aber wir begrüßen alle Beiträge von geochemischen Daten zu archäologischem Material, unabhängig von geographischen oder chrono-kulturellen Grenzen. Unsere Vision ist eine umfassende und gemeinschaftliche Datenressource, die sich hoffentlich mit weiteren Datensätzen aus dem Pazifik sowie aus anderen Regionen weiterentwickeln wird. Das letztendliche Ziel ist ein globaleres Projekt, das zeitgemäßer ist als andere bestehende Online-Repositorien für geologisches Material".

Obwohl die Pofatu-Datenbank in erster Linie die archäologische Forschung unterstützt, könnten Analysen von geologischen Proben und Rohmaterial, das aus prähistorischen Steinbrüchen gewonnen wurde, auch in der Geologie genutzt werden, um wichtige Informationen über die kleineren oder abgelegeneren Pazifikinseln zu sammeln, die zu den am wenigsten untersuchten Orten auf dem Planeten gehören und für welche bislang wenige geochemische Dokumentation vorliegt. Pofatu ist somit auch ein Werkzeug, um die interdisziplinäre Forschungsarbeit zu erleichtern.

Die Pofatu-Datenbank wird laufend kuratiert und aktualisiert. Neue Datensätze und Informationen zu bereits dokumentierten Datensätzen können mit Hilfe der Dateneinreichungsvorlage und der Richtlinien eingereicht werden, welche hier zu finden sind: https://pofatu.clld.org/about. Für weitere Informationen: pofatu@shh.mpg.de

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