Saisonale Meeresfrüchte im Mesolithikum: Neue Studie führt Muschelernte im Winter auf besseren Fleischertrag zurück  

Untersuchung der stabilen Isotopen von Mollusken zeigt, dass mittelsteinzeitliche Menschen auf der Iberischen Halbinsel Weichtiere als Fleischquelle sammelten.

 

Das Mesolithikum in Kantabrien, im nördlichen Spanien, ist, wie andere Atlantikregionen Europas, gekennzeichnet durch eine vermehrte Nutzung von Küsten-und Meeresressourcen und dadurch entstandene Muschelhaufen, sogenannte shell middens. Archäologische Untersuchungen konnten nun Einblicke in deren Entstehung gewähren und langfristige Veränderungen der menschlichen Nutzung von Meeresressourcen sowie Beziehungen zwischen menschlichem Sammelverhalten und Klimaveränderungen erkennen. Jedoch sind die Bemühungen zur Rekonstruktion der wichtigsten Umweltfaktoren, die den Lebensunterhalt an der Küste, die saisonale Verfügbarkeit und Nutzung verschiedener Meeresressourcen bestimmen, in der Region und in der gesamten mesolithischen Küstenregion Europas begrenzt.

Probeentnahmeverfahren für die Extraktion von Calciumcarbonat Mikroproben aus der Aragonitschicht

In einer neuen Studie, veröffentlicht im Journal für Archaeological and Anthropological Sciences, führten Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte (Asier Garcia-Escarzaga und Patrick J. Roberts), in Zusammenarbeit mit spanischen Forschern Isotopenuntersuchungen an Muschelschalen durch, um so die Jahreszeit zu bestimmen, in der diese gesammelt wurden. Den Autoren gelang es mithilfe der Messungen der stabilen Sauerstoffisotope von Phorcus lineatus (da Costa, 1778), einer weitverbreiten Muschelart entlang mesolithischer Fundorte in Kantabrien, nicht nur die Vegetationsperiode zurückzuverfolgen, sondern auch zu betonen, dass diese Untersuchungsmethode vielversprechende und hochauflösende Ergebnisse für Forschungen um die Höhlen von El Mazo liefern kann.

Saisonalität einer Sammlung von Phorcus lineatus in stratigrafischen Einheiten (SU). Das Diagramm zeigt die absolute Anzahl (Balken) und die Prozentzahl (Kreise) der Proben der jeweiligen Jahreszeiten.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Muscheln insbesondere während der kalten Jahreszeiten (Spätherbst und Winter) kontinuierlich geerntet wurden. Diese Erkenntnis bekräftigt so bereits gesammelte Daten entlang der Atlantikregionen Europas. Nach einem Versuchsprogramm, in dem über drei Jahre hinweg Proben entnommen wurden, konnten die Autoren nachweisen, dass die Winterernte mit der Zeit der maximalen Fleischproduktion dieser Taxa in Nordspanien zusammenfiel. Die Untersuchung veranschaulicht damit zum ersten Mal, dass das Sammeln der Muscheln im mittelsteinzeitlichen Spanien einem Kosten-Nutzen-Verhältnis folgte, welches nur mithilfe ausgeprägter Kenntnisse über die Entwicklungszyklen der Muscheln möglich war.

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