Kontakt

Dr. Wolfgang Haak
Australian Centre for Ancient DNA
The University of Adelaide
AUSTRALIA
Tel.: 0061 8313 5565
mobil: 0061 435 252 688
wolfgang.haak@adelaide.edu.au

Professor Dr. Johannes Krause
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Kahlaische Straße 10
07745 Jena
Tel: 03641 686-600
krause@shh.mpg.de

Petra Mader
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kahlaische Straße 10
07745 Jena
Tel: 03641 686-960
presse@shh.mpg.de

Orginalveröffentlichung

Medienecho

International
13.02.2015 – Sciencemag
Mysterious Indo-European homeland may have been in the steppes of Ukraine and Russia
18.02.2015 – Languages of the world
Is “massive migration from the steppe … a source for Indo-European languages in Europe”?
26.02.2015 - Russia Insider
Scientists: Ancient Indo-European Homeland Was in the Russian-Ukrainian Steppe
02.03.2015 BBC News
Genomes document ancient mass migration to Europe
02.03.2015 - Neue Züricher Zeitung
Die Ahnen der Mitteleuropäer - Mehrere Einwanderungswellen in der Jungsteinzeit

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02.03.2015 – swissinfo.ch
Steinzeitliche Ahnen der Mitteleuropäer kamen aus Südrussland
02.03.2015 - Wiener Zeitung
Gemeinsamer Ursprung
02.03.2015 - ORF.at
Unsere Ahnen kamen aus Südrussland
02.03.2015 - Solothurner Zeitung
Steinzeitliche Ahnen der Mitteleuropäer kamen aus Südrussland
02.03.1015 - blick.ch
Vor 7500 Jahren eingewandert - Sind wir alles Südrussen
02.03.2015 – kurier.at
Ahnen der Mitteleuropäer stammen aus Russland
02.03.2015 - www.watson.ch
Unsere Vorfahren waren Immigranten aus Südrussland
03.03.2015 – U.S.News
Study of ancient DNA backs theory of massive steppe migration to Europe some 4,500 years ago
03.03.2015 – National Geographic
Europe's Languages Were Carried From the East, DNA Shows
03.03.2015 – ABC News /Associated Press
DNA Study Backs Theory of Massive Steppe Migration to Europe
03.03.2015 – Press TV (Ir)
Migrant farmers spread languages across Europe, DNA study confirms
03.03.2015 - The Christian Science Monitor
Where did Europe get its languages? Scientists uncover new evidence
03.03.2015 - ABC Science
Herders spread Indo-European languages
03.03.2015 - The LEAD
Ancient skeletons hold the key to origins of the spread of Indo-European language
03.03.2015 – geolounge.com
Geographic Spread of the Indo-European Language Family
03.03.2015 – National Monitor
New research on ancient DNA provides clues about European languages
03.03.2015 – haaretz.com
Ancient skeletons hold key to origins of language
03.03.2015 - PHYS ORG
Research challenges popular theory on origin of languages
03.03.2015 – hngn.com
Steppe Migration To Europe Could Explain Origin Of Modern Languages
04.03.2015 – ScienceDaily
Genetic study revives debate on origin and expansion of Indo-European languages in Europe
04.03.2015 – China Topix
Ancient Massive Migration Resulted in Modern European Languages
04.03.2015 Sputnik International
Sprechen Sie Russian? Genetic Proof Russia Home to Indo-European Languages
04.03.2015 – sci-tech.today.com
DNA Study Backs Theory of Massive Steppe Migration
04.03.2015 – SBS
Aussie scientists closer to unravelling language mysteries
04.03.2015 – Demanjo
DNA study backs theory of massive steppe migration to Europe
05.03.2015 - Demanjo
Steppe Migration To Europe Could Explain Origin Of Modern Languages
06.03.2015 – horsetalk.co.nz
Spreading the word: Horse-riding pastalorists behind spread of language
09.03.2015 – New Telegraph
Indo-European Tongues Traced to Tangled Root

Jungsteinzeitliche Wanderungsbewegungen beeinflussen indoeuropäische Sprachen

Vor 4500 Jahren wanderten Menschen aus den eurasischen Steppengebieten nach Mitteleuropa ein und haben so möglicherweise zur Verbreitung der indoeuropäischen Sprachfamilie beigetragen.

2. März 2015

Fast drei Milliarden Menschen sprechen heute eine der 445 Sprachen, die der indoeuropäischen Sprachfamilie zugerechnet werden. Dazu gehören auch Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch, Iranisch und Russisch. Ein Team unter Leitung der Harvard Medical School in Boston, USA, und des Australian Centre for Ancient DNA der Universität Adelaide hat nun Hinweise auf massive Wanderungsbewegungen aus den eurasischen Steppengebieten vor ca. 4500 Jahren entdeckt, die einen deutlichen Einfluss auf die Verbreitung einiger indoeuropäischen Sprachgruppen gehabt haben muss. Die Forscher, darunter auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena widersprechen damit teilweise den populärsten Thesen über den Ursprung der indoeuropäischen Sprachen, denen zufolge der Urahn dieser Sprachen mit den frühen Bauern vor mehr als 9000 Jahren aus dem Nahen Osten nach Europa kam.

Bestattung der schnurkeramischen Kultur mit Gefäßbeigabe, durchlochten Tierzähnen und Muschelpaillettenscheiben (Oechlitz, Saalekreis, Sachsen-Anhalt) Bild vergrößern
Bestattung der schnurkeramischen Kultur mit Gefäßbeigabe, durchlochten Tierzähnen und Muschelpaillettenscheiben (Oechlitz, Saalekreis, Sachsen-Anhalt)

Die Studie beruht auf einer bisher einmaligen Datenbasis: Im Vergleich zu bislang vorliegenden Studien wurden mehr als doppelt so viele Genome prähistorischer Europäer sequenziert. „Das spiegelt einen grundlegenden Fortschritt in der DNA-Forschung wider, der es möglich macht, gleichzeitig die Genome Duzender von Individuen zu testen“, sagt Projektleiter David Reich von der Harvard Medical School, dem Broad Institute und dem Howard Hughes Medical Institute. „Wir haben eine neue Technik entwickelt, die es uns erlaubt, die Teile des Genoms zu isolieren, welche die meisten Informationen über die Menschheitsgeschichte enthalten und haben nur diese Abschnitte sequenziert.“

Insgesamt wurden die Gene von über 90 Individuen sequenziert, die zwischen 3000 und 8000 Jahren vor heute in Europa lebten. Bei der Analyse der Datensätze kristallisierten sich zwei wesentliche Bevölkerungsumbrüche heraus:

Der erste Umbruch geht auf die Ausbreitung der frühen Bauern über ganz Europa zurück. Diese zogen vor mehr als 9000 Jahren aus dem Nahen Osten gegen Westen und wurden bereits vor rund 7500 Jahren in Mittel- und Westeuropa sesshaft. Diese Bevölkerungsgruppe unterscheidet sich genetisch deutlich von den damals in Europa lebenden Jägern und Sammlern. Archäologisch wurden bisher zwei unterschiedliche Wanderungsrouten der Bauern beschrieben, welche im Wesentlichen auf Unterschieden im materiellen Fundgut, z. B. Keramiken, aus dem Mittelmeerraum und dem mittel- und nordeuropäischen Kontinent beruhen. „Die genetischen Daten bestätigen dies jedoch nicht“, sagt Erstautor Wolfgang Haak von der Universität Adelaide. „Die Frühbauern aus Spanien, Deutschland und Ungarn sind genetisch nahezu identisch, was auf einen gemeinsamen Ursprung im Nahen Osten schließen lässt.“

Die „Jäger-Sammler“ sind jedoch nicht komplett verschwunden. „Um 6000 bis 5000 Jahren vor heute sehen wir einen Wiederanstieg des Jäger-Sammler-Anteils im Genom”, sagt Co-Erstautor Iosif Lazaridis von der Harvard Medical School. “Das bedeutet, dass Jäger-Sammler-Gesellschaften noch bis lange nach Ankunft der Bauern bestanden haben müssen.“ „Es zeigt aber auch, dass Jäger-Sammler nach und nach in bäuerliche Gemeinschaften integriert wurden“, fügt Kurt Alt von der Universität Basel und der Privatuniversität Krems hinzu.

Die Wanderungsbewegung aus dem Osten

Bestattung einer jungen Frau in einem sorgfältig konstruierten Steinkistengrab mit Steinblockummantelung, Rothenschirmbach, Ldkr. Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt Bild vergrößern
Bestattung einer jungen Frau in einem sorgfältig konstruierten Steinkistengrab mit Steinblockummantelung, Rothenschirmbach, Ldkr. Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt [weniger]

Bereits in vorausgegangenen Arbeiten, hatten einige derselben Autoren auf die genetische Zusammensetzung aller Europäer aus drei wesentlichen Bestandteilen hingewiesen: genetische Anteile von Jäger-Sammler-Populationen und Frühbauern sowie eine dritte Komponente mit Ähnlichkeit zu Sibiriern und den ersten Indianern Amerikas. Genomweite Daten von Frühbauern hatten gezeigt, dass dieser dritte Anteil zu dieser Zeit noch nicht in Europa vorhanden war und daher erst später hinzugekommen sein musste. Wann und wie war jedoch unklar.

„Es war ein echtes Aha-Erlebnis, als wir die ersten Daten ansahen”, schwärmt Lazaridis. „Der dritte Anteil war in jedem Individuum zu sehen, das jünger als 4500 Jahre war, und in keiner der älteren Proben aus Mitteleuropa.” Haak geht sogar noch weiter: „Das Signal ist so stark, dass man fast von einer genetischen Datierung sprechen könnte, basierend auf dem Vorkommen von ein, zwei oder allen drei Komponenten.“ Tatsächlich fanden sich unter den Proben auch einige Ausreißer, die bisher archäologisch allein aufgrund ihrer Ausrichtung als älter eingestuft wurden, allerdings die dritte Komponente aufwiesen. Zur Klärung des Alters dieser beigabenlosen Bestattungen wurden 14C-Datierungen in Auftrag gegeben. „Die auffälligen Übereinstimmungen in den materiellen Hinterlassenschaften der Schnurkeramik- und der Yamnaya-Kultur waren bereits bekannt. Dies enge Verbindung konnte nun auch naturwissenschaftlich belegt werden“, ergänzt Harald Meller, Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale).

„In Deutschland sind es die sogenannten Schnurkeramiker am Übergang zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit, bei welchen erstmals die dritte Komponente auftaucht und deren Erbgut damit einen zweiten Bevölkerungsumbruch markiert“, sagt Haak. „Basierend auf einem direkten Vergleich mit Individuen der Yamnaya-Kultur, Viehhirten aus den eurasischen Steppengebieten, schätzen wir den genetischen Steppenanteil in den Schnurkeramikern aus Sachsen Anhalt auf beträchtliche 75 Prozent”, sagt Lazaridis, und fügt hinzu, „dass sich die Schnurkeramiker und die Yamnaya-Population trotz geographischer Distanz von 2600 Kilometer genetisch erstaunlich ähnlich sehen.“

Wie kam Indoeuropäisch nach Europa?

Vierfachbestattung: Vater, Mutter, 2 Söhne in situ, Naumburg, Burgenlandkreis, Schnurkeramische Kultur ca. 2659-2501 v. Chr. (14C-Datum) Bild vergrößern
Vierfachbestattung: Vater, Mutter, 2 Söhne in situ, Naumburg, Burgenlandkreis, Schnurkeramische Kultur ca. 2659-2501 v. Chr. (14C-Datum)

Bei einem genetischen Einschlag dieser Größenordnung drängt sich die Frage auf, ob diese Expansion auch einen Einfluss auf die Verbreitung von Sprachen hatte. „Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schnurkeramiker, nicht nur genetisch eng mit den Hirten aus der Steppe verwandt sind, sondern möglicherweise auch eine ähnliche Sprache hatten”, sagt Lazaridis.” Da sämtliche Mittel- und Nordeuropäer heutzutage einen hohen genetischen Anteil der damaligen Steppenbewohner in sich tragen, und zudem eine indoeuropäische Sprache sprechen, ist zumindest ein deutlicher Beitrag der Steppe nicht ausschließen”, bemerkt Haak. Das deckt sich mit der Ansicht von Linguisten, die argumentieren, dass die Sprachentwicklung schneller voranschreitet als die der Gene, und für die eine Verbreitung der indoeuropäischen Sprache mit den ersten Bauern daher einige tausend Jahre zu alt ist. Reich fügt hinzu: „Unsere Ergebnisse stellen die Theorie der Sprachverbreitung im Zusammenhang mit der Einwanderung der ersten Bauern in Frage.” Die fachübergreifende Interpretation von archäologischen, linguistischen und genetischen Daten ist jedoch kontrovers. „Das ist ein heikles Thema und muss mit Bedacht angegangen werden”, warnt Mitautor Johannes Krause, Direktor des neuen Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena. „Allerdings haben wir mit alter DNA endlich die zeitliche und genetische Auflösung, die uns hier weiterbringen kann. Wir haben diesbezüglich schon einen Workshop im Oktober in Jena anberaumt, in welchem wir uns zusammen mit Experten aus allen drei Fachrichtungen diesen Fragen widmen wollen.“ Eine nach wie vor ungelöste Frage ist die nach dem Ursprung der indoeuropäischen Sprachfamilie. Reich, Haak und ihre Kollegen sind trotz der monumentalen Aufgabe optimistisch, dass man sich der Lösung annähern wird. Haak sagt zuversichtlich: „Die Hauptaufgabe besteht nun darin, nach und nach die Fundlücken in unserer genetischen Kartierung zu stopfen. Wir wollen verstehen, wie ähnlich sich Bevölkerungsgruppen aus Europa, Anatolien, dem Kaukasus, Iran und Indien vor 3000 bis 6000 Jahren waren, um so dem potentiellen Ursprung der indoeuropäischen Sprachen näher zu kommen.“ Die Proben für die Studie wurden von einem internationalen Team unter maßgeblicher Beteiligung der Universitäten Mainz, Basel und Tübingen, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, sowie dem neuen Max-Planck Institut für Menschheitsgeschichte in Jena zusammengestellt. Über die Hälfte der Proben stammen aus Sachsen-Anhalt, wo beim Bau von ICE-Trassen und Bundesstraßen wertvolle Neufunde gemacht wurden, deren genetische Analyse auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell unterstützt wurde.

 
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