Geochemische Analyse von Zähnen belegt vielfältige Diät zur Eisenzeit im Kongobecken

In den Regenwäldern Zentralafrikas ergänzten sich zur Eisenzeit Fischfang, Nahrungssuche und Getreideanbau

27. Oktober 2020

Es wird häufig angenommen, dass die Regenwälder des Kongobeckens während der Eisenzeit ein Hindernis für die Ausweitung der Landwirtschaft darstellten und dass das Aufkommen der Landwirtschaft von der klimabedingten oder anthropogenen Entwaldung abhängig war. In einer neuen Studie zeigt ein multidisziplinäres Forschungsteam nun jedoch, dass domestizierte Hirse in eine Ernährung einbezogen wurde, die auf lokalen Fischbeständen und Nahrungsressourcen der Wälder beruhte. Dies ist ein Beleg dafür, dass in den Regenwäldern über Tausende von Jahren gemischte Subsistenzpraktiken bestanden.

Die Karte zeigt die Orte in der Demokatischen Republik Kongo an denen die Studie durchgeführt wurde

Der Ursprung der Landwirtschaft in Afrika wird seit langem mit der Massenmigration bantu-sprechender Bauern aus dem westlichen Zentralafrika vor ~4000 Jahren in Verbindung gebracht, welche Eisentechnologien und landwirtschaftliche Nutzpflanzen, insbesondere Perlhirse, mit sich führten. Da die meisten domestizierten Nutzpflanzen nicht gut für tropische Umgebungen geeignet sind, wurden die Regenwälder Zentralafrikas häufig als Barrieren für diese frühen Landwirte angesehen, die nur besiedelt wurden, wenn sich die klimatischen Bedingungen änderten oder die Menschen Äxte an die Bäume legten.

In einer neuen, in der Zeitschrift Communications Biology veröffentlichten Studie liefert nun ein gemeinsames Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte (MPI-SHH), der Universität Köln, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Calgary nun direkte Belege für die Ernährung einiger der ersten bekannten Nahrungsmittelproduzenten, die in der Eisenzeit Teile des Kongobeckens in Zentralafrika besiedelten.

Moderner Anbauversuch von Perlhirse (Pennisetum glaucum) im Inneren Kongobecken, durchgeführt von Hans-Peter Wotzka und Kollegen. (Wotzka 2019)

"Obwohl wir wissen, dass die Hirse vor etwa 2300 Jahren in die Region kam", sagt Seniorautor Prof. Hans-Peter Wotzka von der Universität zu Köln, "war es für uns schwierig, genau zu bestimmen, wie sie zu dieser Zeit in die menschliche Ernährung integriert wurde". Obwohl einige Wissenschaftler/-innen vermuteten, dass Hirse im Regenwald schlecht wachsen würde, konnte Wotzka in früheren Experimenten zeigen, dass sie im Kongobecken in Zentralafrika erfolgreich angebaut werden kann.

In der Studie führte das Team eine Isotopenanalyse alten menschlichen Zahnschmelzes und aus menschlichen Knochen extrahierten Kollagens durch, um zu sehen, was die Menschen in der Region in der Vergangenheit konsumierten. Diese Methode beruht auf dem Prinzip "Du bist, was du isst", wobei chemische Signaturen in menschlichem Gewebe Hinweise auf die Ernährung geben. In diesem Fall ging es um die Frage, ob frühere Gemeinschaften überwiegend lokalen, wild vorkommende Ressourcen oder neu eingeführte Getreidepflanzen verzehrten.

Moderner Anbauversuch von Perlhirse (Pennisetum glaucum) im Inneren Kongobecken, durchgeführt von Hans-Peter Wotzka und Kollegen. (Wotzka 2019)

Die Ergebnisse zeigten Unterschiede in den Ernährungssignalen aus verschiedenen Teilen des Kongobeckens, wobei die Standorte von den westlichen Zuflüssen bis zum nordöstlichen Rand reichen.

"Unsere Ergebnisse zeigen die regionale Variabilität bei der Einführung neuer Nutzpflanzen im Kongobecken", sagt Erstautorin Madeleine Bleasdale, "und tragen zu einem immer komplexeren Bild über das Aufkommen der Landwirtschaft in ganz Zentralafrika bei".

Weitere Informationen über die Ergebnisse der Studie finden Sie auf unserer englischsprachigen Webseite

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