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Spyrou, M. A.; Tukhbatova, R. I.; Wang, C.-C.; Andrades Valtueña, A.; Lankapalli, A. K.; Kondrashin, V. V.; Tsybin, V. A.; Khokhlov, A.; Kühnert, D.; Herbig, A. et al.; Bos, K. I.; Krause, J.: Analysis of 3800-year-old Yersinia pestis genomes suggests Bronze Age origin for bubonic plague. Nature Communications (2018)

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Bislang ältestes Genom der Beulenpest entschlüsselt

Hochgefährlicher Pesterreger rund 1000 Jahre älter als bisher bekannt

8. Juni 2018

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena hat zwei 3800 Jahre alte Yersinia pestis-Genome rekonstruiert, die auf eine bronzezeitliche Entstehung der Beulenpest hindeuten. Der jetzt identifizierte Stamm wurde in zwei Skeletten aus einer Doppelbestattung in der Region Samara im heutigen Russland entdeckt. Er ist der bislang älteste bekannte Stamm, der die Gene aufweist, die für die Beulenpest als charakteristisch gelten. Und er ist Vorfahre der heutigen Stämme, welche die Justinianische Pest, den Schwarzen Tod und die Pestepidemien des 19. Jahrhunderts in China auslösten.
Doppelbestattung der beiden Pestopfer in der Samara-Region im heutigen Russland. Bild vergrößern
Doppelbestattung der beiden Pestopfer in der Samara-Region im heutigen Russland.

Die durch das Bakterium Yersinia pestis verursachte Pest, war Ursache einiger der tödlichsten Pandemien in der Menschheitsgeschichte, einschließlich der Justinianischen Pest, des Schwarzen Todes und der großen Epidemien, die Ende des 19. Jahrhunderts durch China und später den Rest der Welt fegten. Die Krankheit bedroht weiterhin Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt, so kam es in Madagaskar im letzten Jahr zu einem Pestausbruch mit mehreren tausend Erkrankten. Trotz ihrer historischen und gegenwärtigen Bedeutung sind Ursprung und Alter der Krankheit noch unzureichend erforscht. Insbesondere ist ungeklärt, wann und wo Yersinia pestis die Gene erwarb, die es dem Erreger erlauben, Flöhe als Überträger zu nutzen.

Jüngste Untersuchungen von Yersinia pestis-Genomen früherer Epochen, haben eine ausgestorbene  Variante des Erregers identifiziert und auf das späte Neolithikum und die frühen Bronzezeit datiert. Dessen Genome weisen jedoch nicht die genetischen Merkmale auf, welche den Pesterreger besonders effizient machen - nämlich die Fähigkeit, in Flöhen zu überleben, welche den Hauptübertragungsweg der Krankheit auf Menschen und andere Säugetiere darstellt. Ziel der jetzt in Nature Communications veröffentlichten Studie war es deshalb, weitere Yersinia pestis Genome aus diesen Epochen zu analysieren, um herauszufinden, wann und wo diese entscheidenden Anpassungen stattfanden.

Bislang ältester Erreger der Beulenpest aus 3800 Jahre alter Doppelbestattung

Mit Hilfe von Daten, die bei früheren Sequenzierungen von Yersinia pestis-Stämmen gewonnen wurden, berechnete das Forschungsteam das Alter der neu identifizierten Abstammungslinie auf etwa 4000 Jahre. Das verschiebt das vermutete Alter der Beulenpest um 1000 Jahre weiter in die Vergangenheit. „Die Linie, die unsere Yersinia pestis -Isolate hervorbrachte, entstand wahrscheinlich vor etwa 4.000 Jahren und verfügte über alle für die effiziente Übertragung von Pest bei Nagetieren, Menschen und anderen Säugetieren notwendigen genetischen Eigenschaften“, erklärt Erstautorin Maria Spyrou vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

 

Geografische Lage der Begräbnisstätte in der Samara-Region im heutigen Russland (grünes Dreieick) Bild vergrößern
Geografische Lage der Begräbnisstätte in der Samara-Region im heutigen Russland (grünes Dreieick)

Frühe Entwicklungsstadien eines der berüchtigtsten Krankheitserreger der Menschheit

Obwohl frühere Studien eine einzige Linie von Yersinia pestis während der Bronzezeit in ganz Eurasien nachgewiesen haben, legt die aktuelle Studie nahe, dass mindestens zwei Pestlinien gleichzeitig zirkulierten und dass sie möglicherweise verschiedene Übertragungs- und Ansteckungspotential besaßen. „Ob die Abstammungslinien in den menschlichen Populationen gleichermaßen verbreitet waren und inwieweit menschliche Aktivitäten zu ihrer Verbreitung beigetragen haben, sind Fragen, die weiter untersucht werden müssten“, erklärt Studienleiter Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. „Weitere Pestgenome der Bronzezeit und der Eisenzeit könnten helfen, Schlüsselereignisse aufzuzeigen, die zur Ausbreitung eines der berüchtigtsten Krankheitserreger der Menschheit beigetragen haben“, fügt er hinzu.

 

 
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