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Thiseas Christos Lamnidis
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Prof. Dr. Johannes Krause
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Publikation

Thiseas C. Lamnidis, Kerttu Majander, Choongwon Jeong, Elina Salmela, Anna Wessman, Vyacheslav Moiseyev, Valery Khartanovich, Oleg Balanovsky, Matthias Ongyerth, Antje Weihmann, Antti Sajantila, Janet Kelso, Svante Pääbo, Päivi Onkamo, Wolfgang Haak, Johannes Krause, Stephan Schiffels
Ancient Fennoscandian genomes reveal origin and spread of Siberian ancestry in Europe

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Pressemitteilung in Kooperation mit der Universität Helsinki

Erste Analyse alter DNA vom finnischen Festland enthüllt Ursprung der sibirischen Abstammung in samischen und finnischen Bevölkerungsgruppen

Neue Studie zeigt, dass die genetische Zusammensetzung heutiger Nordeuropäer auf Migrationen aus Sibirien zurückgeht, die vor mindestens 3.500 Jahren begannen, und dass noch in der Eisenzeit Vorfahren der Samen auf einem größeren Gebiet Finnlands lebten als diese heute.

27. November 2018

Ein Forschungsteam des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und der Universität Helsinki hat erstmals alte DNA vom finnischen Festland analysiert. Für die in Nature Communications publizierte Studie wurde DNA aus Knochen und Zähnen einer 3.500 Jahre alten Bestattung auf der russischen Halbinsel Kola und einer 1.500 Jahre alten Wasserbestattung in Finnland gewonnen. Die Ergebnisse zeigen eine mögliche Route, entlang der sich die Menschen möglicherweise von Sibirien aus nach Finnland und Nordwestrussland ausbreiteten.

Künstlerische Darstellung eines damaligen Fischers in Bolshoy Oleni Ostrov, eine der archäologischen Stätten von denen das Material stammt, das in der Studie analysiert wurde. Bild vergrößern

Künstlerische Darstellung eines damaligen Fischers in Bolshoy Oleni Ostrov, eine der archäologischen Stätten von denen das Material stammt, das in der Studie analysiert wurde.

Die ältesten Belege einer sibirischen Abstammung in Fennoskandinavien fand das Forschungsteam bei einer Bevölkerungsgruppe, die vor etwa 4000 Jahren auf der Kola-Halbinsel, im äußersten Nordwesten Russlands lebte. Diese genetische Abstammung wurde dann später an weitere in Finnland lebende Populationen weitergegeben. Die Studie zeigte auch, dass genetisch eng mit den heutigen Samen verwandte Menschen in viel südlicheren Teilen Finnlands lebten als die heutigen Samen.

Für die vorliegende Studie wurde das Erbgut von insgesamt elf Individuen rekonstruiert. Acht Individuen kamen von der Kola-Halbinsel. Sechs von ihnen aus der oben erwähnten 3 500 Jahre alten Bestattung, zwei von einem Samen-Friedhof aus dem 18.-19. Jahrhundert. "Wir waren überrascht, dass die ältesten der hier untersuchten Proben den höchsten Anteil sibirischer Abstammung hatten", sagt Ko-Studienleiter Stephan Schiffels, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

Die anderen drei für die Studie analysierten Individuen stammen aus einer Wasserbestattung in Levänluhta, Finnland. Levänluhta ist eine der ältesten bekannten Bestattungen in Finnland, bei denen menschliche Knochen erhalten blieben. Die Leichen wurden in einem ehemaligen kleinen See oder Teich begraben. Das scheint zu einer außergewöhnlich guten Erhaltung der Überreste beigetragen zu haben.

Die Karte zeigt die Lage der archäologischen Stätten aus denen das in dieser Studie analysierte Material stammt. Bild vergrößern

Die Karte zeigt die Lage der archäologischen Stätten aus denen das in dieser Studie analysierte Material stammt.

Die sibirische Abstammung hat bis heute Bestand

Die Studie vergleicht das Erbgut der damaligen Menschen nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Erbgut heutiger Bevölkerungsgruppen, besonders solcher die Samisch, Finnisch und andere uralische Sprachen sprechen. Unter den heutigen europäischen Bevölkerungsgruppen ist bei den Samen der den größten Anteil der alten sibirischen Abstammung zu finden; weltweit ist dieser Anteil bei den Nganasanen aus Nordsibirien am höchsten.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine starke genetische Verbindung zwischen den damaligen finnischen und sibirischen Populationen gab", sagt Ko-Autor Thiseas Lamnidis vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. "Das könnte bedeuten, dass die damaligen Bevölkerungsgruppen Sibiriens trotz der großen geografischen Entfernung auch eine Strategie zur Sicherung ihres Lebensunterhalts, Sprachen und/oder kulturelle Verhaltensweisen mit den Finnen der Bronze- und Eisenzeit teilten." Die Bevölkerung Finnlands lebte damals möglicherweise ein mobiles, nomadisches Leben, handelte und bewegte sich großräumig und hatte weitreichende Kontakte zu anderen Bevölkerungsgruppen.

Die Menschen aus Levänluhta (Finnland) ähneln genetisch den heutigen Samen

Das Forschungsteam fand weiter heraus, dass die Bevölkerung in Levänluhta enger mit den heutigen Samen verwandt war als mit der heutigen nicht-samischen Bevölkerung Finnlands.

Künsterlische Darstellung der 1500 Jahre alten Wasserbegräbnisstätte Levänluhta in Finnland. Bild vergrößern
Künsterlische Darstellung der 1500 Jahre alten Wasserbegräbnisstätte Levänluhta in Finnland.

"Die mit den Samen eng verwandten Menschen bewohnten größere und auch weiter im Süden liegende Regionen Finnlands als die Samen heute", erklärt Ko-Autorin Kerttu Majander von der Universität Helsinki und vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Interessanterweise weist eine aktuelle linguistische Studie darauf hin, dass die Ortsnamen um Levänluhta auf samische Sprachen zurückgehen.

"Dies ist die erste Analyse alter DNA aus Finnland und die Ergebnisse sind sehr interessant", sagt Schiffels. "Jedoch werden weitere Studien alter DNA aus der Region notwendig sein, um besser zu verstehen, ob die Muster, die wir gesehen haben, repräsentativ für Finnland als Ganzes sind."

Die Studie wurde in Zusammenarbeit zwischen dem SUGRIGE-Projekt (Universitäten Helsinki und Turku) und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte durchgeführt. Das archäologische Material und die archäologische Expertise wurden vom Museum „Peter der Große“ für Anthropologie und Ethnographie (Kunstkamera) und dem Levänluhta-Projekt der Finnish Heritage Agency bereitgestellt.

 
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