Prof. (Univ. Auckland) Russell Gray, Ph.D. (Univ. Auckland) FRSNZ

Curriculum Vitae

Managing Director

Russell Gray promovierte 1990 auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie an der Universität Auckland, Neuseeland. Nach einer vierjährigen Tätigkeit als Dozent im Fach Psychologie an der Universität Otago, Dunedin, Neuseeland, kehrte er als Professor an die Universität Auckland zurück. Russell Gray wurden mehrere Fellowships zuerkannt; er ist Mitglied der Royal Society of New Zealand und erhielt für seine bahnbrechenden sozialwissenschaftlichen Studien als erster Preisträger deren Mason Durie Medaille. Er ist Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, wo er die Abteilung Sprach- und Kulturevolution leitet. Zugleich ist er außerordentlicher Professor am Fachbereich Psychologie der Universität Auckland und außerordentliches Mitglied der Philosophischen Fakultät der Australischen Nationaluniversität (ANU).

Russell Grays Forschungsspektrum umfasst die Bereiche Kulturevolution, Linguistik,  Tierkognition und Philosophie der Biologie. Er ist einer der Wegbereiter für die Anwendung computerbasierter evolutionärer Methoden auf Fragestellungen der historischen Linguistik und Kulturevolution. Seine Arbeiten haben ein neues Licht auf die 200 Jahre alte Frage nach der Herkunft der indogermanischen Sprachen, nach Diamond und Bellwoods das "hartnäckigste Problem der historischen Linguistik", geworfen. Gemeinsam mit europäischen Kollegen hat Professor Gray diesen evolutionären Ansatz erweitert, um Hypothesen über die Rolle von Kultur und Kognition auf die grundlegenden Beschränkungen sprachlicher Variation überprüfen zu können. Im Gegensatz zu den Annahmen einiger generativer Linguisten deckten diese Analysen bemerkenswerte sprachfamilien-spezifische Abhängigkeiten auf.

Im Zentrum von Russells Grays Forschung steht die Frage nach der Geschichte der Sprachen, Kulturen und Menschen des südostasiatischen und pazifischen Raums. Zusammen mit Simon Greenhill hat er eine riesige lexikalische Datenbank der Sprachen dieser Region entwickelt. Greenhill und Gray haben diese Daten mit den phylogenetischen Methoden Bayesscher Statistik analysiert, um Hypothesen über den Verlauf und die zeitliche Abfolge der Besiedlung des pazifischen Raums zu testen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Abfolge von Expansions-Impulsen und Pausen.

Seine linguistische Forschung  bildet die Grundlage für seine neueren Arbeiten, in denen er ökologische und evolutionäre Methoden in Bezug auf Fragen zur Evolution von Religionen und großen Gesellschaften anwendet, sowohl im pazifischen Raum als auch weltweit. Seine Arbeiten haben gezeigt, dass Vorstellungen von Gott durch Umweltvariablen beeinflusst werden, dass strenge, strafende Götter die Entwicklung komplexer Gesellschaften unterstützen und in einem finsteren Sinne, dass Menschenopfer zur Entstehung und dem Erhalt sozial geschichteter Gesellschaften beitragen. Manchmal wird er gefragt, ob er den anderen Russell Gray kennt, der neukaledonische Krähen erforscht. Ich bin Russell Krähe“, antwortet er grinsend. Mit seinen Kollegen von der Universität Auckland konnte er zeigen, dass die bemerkenswerten Fähigkeiten dieser Krähen bei der Herstellung von Werkzeugen das Ergebnis einer langen Phase sozial unterstützten Lernens sind und durch Gehirne mit großen Assoziationsfeldern und der Fähigkeit zur Herstellung kausaler Zusammenhänge gefördert werden. Russell Gray hat mehr als einhundert Artikel und Buchbeiträge veröffentlicht, acht davon in Nature und Science.

Im Januar 2014 hielt Russell Gray die Nijmegen Lectures, eine jährliche Veranstaltung, bei der die weltweit beste linguistische Forschung präsentiert wird. Er stellte dabei eine breite Auswahl seiner Studien vor, vom Werkzeuggebrauch der neukaledonischen Krähen über die quantitativen Studien zur historischen Linguistik bis zu einer Skizzierung der Evolution politischer Systeme. Video-Aufnahmen aller drei Vorträge finden Sie hier.