Das Genom des Schwarzen Todes

Aufnahme von der Ausgrabung (1986-88) des Friedhof East Smithfield. Bild vergrößern
Aufnahme von der Ausgrabung (1986-88) des Friedhof East Smithfield.

Der Schwarze Tod war eine der größten bekannten Pandemien der Menschheitsgeschichte. Man schätzt, dass 30-50 % aller Europäer während des Pestausbruchs im 14. Jahrhundert starben. In Kooperation mit Prof. Hendrik Poinar von der McMaster University in Hamilton, Kanada, analysierten wir mittelalterliche Skelette von einem Londoner Pestfriedhof aus der Zeit des Schwarzen Todes. Dabei konzentrierten wir uns vor allem auf die DNS von Beulenpest verursachenden Yersinia-pestis-Bakterien, die potentiell für die Pandemie verantwortlich waren.


Durch die neuartige Technik der gezielten DNS-Anreicherung mit Hilfe von Hybridisierung, waren wir in der Lage, das vollständige Genom von mittelalterlichen Y.-pestis-Erregerstämmen aus den Londoner Skeletten zu rekonstruieren. Die DNS-Schadensmuster deuten zuverlässig auf ein mittelalterliche Herkunft der Y.-pestis-Genome hin und stützen damit die Theorie, dass die Beulenpest zumindest einer der verantwortlichen Krankheitserreger für den Ausbruch des Schwarzen Todes war.


Genomweite Vergleiche mit modernen Y.-pestis-Genomen zeigten weiterhin, dass mehr als 90 % der heutigen Y.-pestis-Stämme, ihren Ursprung während der Pandemie des Schwarzen Todes haben. Eine erneute Untersuchung der DNS-Sequenzen, einschließlich eines Datensatzes von mehr als 300 weltweiten Y.-pestis-Stämmen, zeigte außerdem Stämme vom Typ Ant-1, die im 8. Jahrhundert vom Y.-pestis-Stammbaum abzweigen, was darauf hindeutet, dass auch die Justinianische Pest durch Y. pestis ausgelöst wurde.

 
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